Trotz einer sichtbaren queeren Infrastruktur konzentrieren sich öffentliche Erzählungen häufig auf wenige bekannte Orte und cis-männlich-schwule Perspektiven. Lesbische und TINAQ-Geschichten, queere Alltage, prekäre Räume, solidarische Netzwerke und intersektionale Erfahrungen bleiben dagegen oft unsichtbar. Das Projekt fragt deshalb, welche Geschichten fehlen und wie eine vielfältigere, diskriminierungskritische Erinnerungskultur gestaltet werden kann.
Die Studierenden recherchieren in Archiven, führen Gespräche mit Community-Akteur:innen und untersuchen Orte gegenwärtigen und vergangenen queeren Lebens. Dabei arbeiten sie unter anderem mit dem Centrum Schwule Geschichte, dem Frauengeschichtsverein Köln, dem Frauenmuseum Bonn und dem Bonner Stadtarchiv zusammen. Die Projektgruppen setzen eigene Schwerpunkte und entscheiden gemeinsam, welche Geschichten sie erzählen und wie sie diese vermitteln.
Aus den Recherchen entstehen eine performative Stadtführung, ein Audio Walk und ein begleitendes Zine. Gemeinsam mit dem queeren Theaterkollektiv PRODUKTIONSBÜRO PETRA P. verbinden die Studierenden historische Funde, Community-Stimmen und aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen. In den Projektgruppen übernehmen sie Aufgaben in Recherche, Interviewführung, Dramaturgie, Gestaltung, Moderation oder Öffentlichkeitsarbeit.
Im Seminar werden die Entscheidungen und Erfahrungen des Projektverlaufs fortlaufend gemeinsam besprochen: Welche Perspektiven werden sichtbar? Wer spricht und wer wird gehört? Wie lassen sich Verantwortung und Aufgaben fair verteilen? Auf diese Weise verbindet das Projekt wissenschaftliche Forschung, zivilgesellschaftliches Engagement und künstlerische Vermittlung.